Die Verleihung

Schloss Biebrich in Wiesbaden bietet seit 2016 den feierlichen Rahmen zur Verleihung des Fair Play Preises. Foto: picture alliance
Schloss Biebrich in Wiesbaden bietet seit 2016 den feierlichen Rahmen zur Verleihung des Fair Play Preises. Foto: picture alliance

Seit 2016 bilden die Biebricher Schlossgespräche den festlichen Rahmen der Verleihung des Fair Play Preises des Deutschen Sports. In der Gesprächsreihe, die die Deutsche Olympische Akademie (DOA) in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport organisiert, erörtern Expertinnen und Experten in Vorträgen, Dialogen und Diskussionsrunden gesellschaftspolitische, kulturelle und ökonomische Aspekte des organisierten Sports im historischen Ambiente des Schlosses Biebrich. Eingeladen sind hochrangige Gäste aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und natürlich dem Sport.

Zuvor hatten die Verleihungen zum Empfang am Vorabend der DOSB-Mitgliederversammlung stattgefunden. In den Jahren 2011 und 2012 waren sie Teil des Festes der Begegnung der Stiftung Deutsche Sporthilfe.

Spitzenathleten im Spannungsfeld von moralischer Vorbildfunktion und sportlichem Erwartungsdruck standen bei den Biebricher Schlossgesprächen am 16. März 2017 im Fokus der Debatte. Über das Thema „Fairness aus Sicht der Aktiven – Rolle und Verantwortung der Athlet/innen in der Olympischen Bewegung“ diskutierten Claudia Bokel (Weltmeisterin im Fechten 2001, ehemaliges Mitglied der IOC-Athletenkommission, Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes), Maximilian Hartung (Team-Weltmeister im Fechten 2014, Vorsitzender der DOSB-Athletenkommission), Dr. Michael Vesper (DOSB-Vorstandsvorsitzender) und Manuela Schmermund (Paralympics-Siegerin im Sportschießen, Mitglied der DOSB-Athletenkommission). Willi Lemke, ehemaliger Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport sowie Sportmoderator Marcel Reif hielten die Laudationes auf die diesjährigen Träger des Fair Play Preises des Deutschen Sports. Durch den Abend führte der ehemalige Leiter der ZDF-Hauptredaktion Sport, Dieter Gruschwitz. 

Ein neuer Rahmen für den Fair Play Preis des Deutschen Sports! Am 3. März 2016 fand die Verleihung erstmals im festlichen Ambiente der Biebricher Schlossgespräche statt. Prof. Dr. Gunter A. Pilz, DOSB-Ethikpreisträger von 2012, widmete sich in seiner Festrede dem Thema „Fair Play – das ethische Potenzial des Sports“ und stellte unter anderem die These auf, nach der „der Weg wichtiger ist als der Sieg“. Dieses Ethos funktioniere aber nur so lange, wie Sport Selbstzweck bliebe. Die abschließende Diskussionsrunde zum Thema „Ohne Fair Play kein ehrlicher Sport“ mit Alfons Hörmann, dem VDS-Präsidenten Erich Laaser und dem BMI-Abteilungsleiter Gerhard Böhm, griff die Thesen von Professor Pilz zum Teil auf und diskutierte unter anderem den Satz: „Nicht Gewinnen ist kein Scheitern.“ Es bedürfe jedoch „viel Stärke, mit erhobenem Haupt, aber ohne Medaille zurückzukommen“, stellte der DOSB-Präsident heraus.

Laudatorin Steffi Nerius, Speerwurf-Weltmeisterin von 2009, zeichnete Leonie Remfort mit dem Sonderpreis aus. Die Preisträgerin wurde für ihr herausragendes, ehrenamtliches Engagement im Bereich der Integration geehrt. DOSB-Vizepräsidentin Dr. Petra Tzschoppe würdigte das faire Verhalten der Damenmannschaft des Tauziehclubs Allgäu-Power Zell in ihrer Laudatio: „Ich finde es eine schöne Sache, dass Fair Play hier beim Tauziehen passiert ist. Man zieht nicht nur in der eigenen Mannschaft an einem Strang, sondern auch mit dem Gegner“. Die Mannschaft war nach einem Schwächeanfall einer Spielerin der gegnerischen Mannschaft ebenfalls mit einer Zieherin weniger angetreten.

Die Preisträger des Jahres 2014 wurden beim Empfang anlässlich der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds am Freitag, 5. Dezember 2014 im Hygienemuseum in Dresden ausgezeichnet. Moderatorin Ines Meinhardt (MDR) eröffnete den feierlichen Anlass mit dem Satz: „Fair Play ist eine Idee, eine Haltung, für die man auch Nachteile in Kauf nimmt.“ Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière, der persönlich an der Verleihung mit über 400 Vertretern aus Sport, Gesellschaft und Politik teilnahm, ergänzte: „Man macht etwas, was einem selbst nichts nützt und doch etwas Großes daraus entstehen kann.“

Olympiasiegerin und Fair Play Botschafterin Steffi Nerius sandte ihre Laudatio an den Preisträger in der Kategorie Sport, den Fußballverein Türkspor Mosbach, per Video in den Saal: „Die Chance war groß, die Verlockung groß, aber ihr habt sie nicht angenommen.“ Weil der Gegner aufgrund von Spielermangel nicht antreten konnte, hätte der Verein die Punkte geschenkt bekommen. Dennoch stimmten sie einer Spielverlegung zu und verloren diese wichtige Partie. Der Aufstieg wurde verpasst.

Rainer Schmidt, mehrfacher Medaillengewinner bei den Paralympics und Kabarettist, ehrte den Preisträger Martin Rietsch in der Kategorie Sonderpreis für seinen Einsatz gegen Rassismus mit den Worten: „Was für ein Leben! Sie haben wirklich Höhen und Tiefen erlebt, jetzt stehen Sie vor Hunderten jungen Menschen und berichten, was wertvoll und wichtig ist. Sie sind ein unglaubliches Vorbild!“

Vor den Augen der ca. 400 anwesenden Repräsentanten des organisierten Sports in Deutschland nahmen die Preisträger am 6. Dezember 2013 im prunkvollen Friedrich-von-Thiersch-Saal im Kurhaus zu Wiesbaden die Auszeichnungen entgegen. Die Preise übergaben der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, DOSB-Präsident Hans-Peter Krämer und der Vizepräsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, Christoph Fischer. „Wenn wir, also der Sport, die Bundesregierung und die Medien gemeinsam einen solchen Preis vergeben, dann ist das ein starkes Zeichen, dass hoffentlich weit in die Gesellschaft reicht“, betonte Krämer. „Ich glaube fest daran, dass es uns gelingen kann, Respekt und Toleranz in der Gesellschaft zu vermitteln. Damit so etwas Schule macht, dafür vergeben wir diesen Preis.“

Steffi Nerius, Weltmeisterin im Speerwurf und Fair Play Botschafterin, beglückwünschte die Preisträger in der Kategorie Sport. Die Spitzensportlerin zollte „hohen Respekt“ vor der sportlichen Geste, die von wirklichem „Fair Play Charakter“ zeuge. Leichtathletik-Kampfrichter Andrej Schukow und Fotograf Kai Pfaffenbach hatten gemeinsam bewirkt, dass der deutsche Kugelstoßer David Storl nach einem zuerst für ungültig erklärten Versuch bei den Weltmeisterschaften 2013 doch noch die Goldmedaille gewann. Auf Grundlage eines Fotos von Pfaffenbach hatte Kampfrichter Schukow seine zuvor getroffene Entscheidung für einen ungültigen Versuch Storls revidiert.

Der Fair Play Botschafter und Paralympics-Sieger Rainer Schmidt, der die Auszeichnung in der Kategorie Sonderpreis übergab, war „verblüfft“ über das Konzept des VfB Oldisleben e. V., das in der Region auf viel Beachtung stößt. Der Verein setzt sich auf allen Ebenen für ein faires Miteinander auf und neben dem Platz ein. „Es gibt mittlerweile viele Anfragen von benachbarten Kreisen, die was ändern wollen“, sagte der 1. Vorsitzende Thomas Röber.

Wie schon im vergangenen Jahr kamen beim „Fest der Begegnung“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe am 12. Oktober 2012 in Bonn die vielen Gäste auch zusammen, um die Ehrung der Preisträger des Fair Play Preises zu verfolgen. Ausgezeichnet wurden die Gewinner durch den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundeminister des Innern, Christoph Bergner, DOSB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper und die nationale Botschafterin für Fair Play und Toleranz, Steffi Nerius.

Bundesinnenminister Friedrich erklärte anlässlich der Bekanntgabe: „Fair Play ist eine der wichtigsten Grundlagen des Sports. Unsere Preisträger 2012 haben das auf eindrucksvolle Weise gezeigt.“ DOSB-Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper: „Die diesjährigen Preisträger haben gezeigt, welches Potential der Sport im Bereich von Fair Play und Toleranz besitzt. Selbst dort, wo es um Leistung und Erfolge geht, zeichnet sich der Sport durch die Werte aus. Charlotte Arand und Barbara Karches, Jochen Wollmert sowie der Verein fairplayer stehen exemplarisch für die Wertevermittlung im und durch Sport.“

Die Preisverleihung im Jahr 2011 war eine Premiere für den seit 1998 vom Bundesministerium des Innern vergebenen Fair Play Preis. Denn er wurde ab diesem Jahr zusammen mit dem DOSB verliehen. Dies unterstreicht das gemeinsame Ziel der Preisverleihung – für die Grundwerte des Sports und insbesondere für Fair Play und Toleranz zu werben und das Bewusstsein dafür in der Bevölkerung zu stärken. Den Rahmen für die Premiere gab das „Fest der Begegnung“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe am 14. Oktober 2011 im Eventwerk in Dresden.

Innenstaatssekretär Dr. Ole Schröder, DOSB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper und die beiden Fair Play Botschafterinnen, Doppel-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier-Neureuther sowie Speerwurf-Ex-Weltmeisterin Steffi Nerius, zeichneten die Preisträgerinnen und Preisträger für ihre außergewöhnliche Fairness aus. „Gerade im Sport wird deutlich, wie wichtig Fairness, die Einhaltung von Regeln und der Respekt vor den Mitmenschen für die Gesellschaft sind. Wer sich fair verhält, gerade auch in schwierigen Wettkampfsituationen, und wer sich für andere einsetzt, der macht sich gleichzeitig um den Sport und um unsere Gesellschaft insgesamt verdient“, erklärte Dr. Ole Schröder bei der Prämierung von Gerald Asamoah, Katrin Green, Heike Schmidt und dem Deutschen Frisbeesport-Verband.